Krebspatienten leiden nach Bestrahlung oder Chemotherapie häufig an veränderten Leukozyten-Werten. Die Behandlung beeinträchtigt die Produktion der weißen Blutkörperchen, sodass deren Zahl im Blut sinkt.

Blutwerte Kontrolle bei Leukämie Copyright: fotoquique bigstockphoto

Je weniger davon vorhanden sind, desto größer wird die Gefahr von Infektionen, da das Immunsystem nur mithilfe der weißen Blutkörperchen zuverlässig funktioniert. Daher ist bei Krebspatienten eine Kontrolle des Leukozytenwertes im Blut vor jeder Behandlung mit Zytostatika dringend notwendig.

Veränderte Leukozyten bei Krebspatienten: Wozu braucht man Chemotherapie und Bestrahlung?

Krebspatienten mit soliden Tumoren werden in der Regel operiert, um die Krebsgeschwulst zu entfernen. Danach will man sicherstellen, dass keine Tumorzellen im Körper verbleiben, weder als Reste des Primärtumors, die der Chirurg nicht vollständig beseitigen konnte, noch als Tochtergeschwülste (Metastasen), die sich vom ursprünglichen Tumor gelöst und über Lymphe und Blutbahn verbreitet an anderer Stelle im Körper angesiedelt haben.

Bei Blutkrebs (Leukämie) ist eine operative Beseitigung des Krebses nicht möglich, da er quasi in flüssiger Form vorliegt und sich mit dem Blut im ganzen Körper verteilt hat.

In beiden Fällen versucht man die Krebszellen mit Chemotherapie und/oder Bestrahlung abzutöten. Geschieht das nicht, können sie weiterwachsen und neue Tumoren und Metastasen bilden oder die Leukämie weiter verschlimmern. Im ersteren Fall spricht man von einem Rezidiv. Es erschwert häufig die weitere Behandlung, denn in vielen Fällen sind die Metastasen genetisch weiter verändert. Das sorgt dafür, dass viele davon sich nicht mehr genauso wie der ursprüngliche Primärtumor behandeln lassen und neue Maßnahmen erforderlich werden.

Das Wichtigste auf einen Blick!

  1. Bei einer Krebserkrankung versucht man die Krebszellen mit Zytostatika oder Bestrahlung abzutöten.
  2. Davon sind allerdings auch andere schnellwachsende Zellen wie die des Knochenmarks betroffen.
  3. Diese Schädigung führt dazu, dass die Produktion der Leukozyten bei einem Krebspatienten abnimmt.
  4. Die Folge ist eine erhöhte Anfälligkeit gegenüber Infektionen, da die weißen Blutkörperchen für die Abwehr von Viren und Bakterien verantwortlich sind.
  5. Vor einer Chemotherapie müssen daher die Blutwerte der Leukozyten unbedingt kontrolliert werden, damit die Immunabwehr nicht völlig zusammenbricht.

Warum verändern sich die Leukozyten bei Krebspatienten?

Sowohl Chemotherapie mit Zytostatika als auch eine Bestrahlung beeinträchtigen in erster Linie schnellwachsende Zellen. Das beruht auf einer Schädigung des Erbgutes und ähnlichen Mechanismen, sodass sie sich nicht mehr normal teilen können und absterben. Krebszellen sind davon besonders betroffen, denn sie wachsen mangels funktionierender Kontrollmechanismen ungebremst und vermehren sich deutlich schneller als ihre gesunden Vorläufer.

Allerdings machen Chemotherapie und Bestrahlung vor anderen schnellwachsenden Zellen nicht halt.

Dazu gehören beispielsweise die Zellen der Haut und der Schleimhäute. Daher kommt es bei einer Bestrahlung zu Hautreaktionen und leiden Patienten während einer Chemotherapie an Übelkeit, Durchfall und Erbrechen, da die Schleimhäute des Magen-Darm-Traktes ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen werden.

Noch wesentlich folgenreicher sind die Auswirkungen auf das blutbildende System. Veränderte Leukozyten bei Krebspatienten sind darauf zurückzuführen, dass Chemo und Bestrahlung auch die schnell proliferierenden Zellen des Knochenmarks beeinträchtigen. Daher nimmt die Anzahl der roten Blutkörperchen (Erythrozyten), der Blutplättchen (Thrombozyten), vor allem aber der weißen Blutkörperchen (Leukozyten) ab. Diesen Zustand bezeichnet man als Leukopenie (Mangel an weißen Blutkörperchen).

Warum sind die veränderten Leukozyten bei Krebspatienten gefährlich?

Während sich ein Mangel an roten Blutkörperchen als Anämie und der an Blutplättchen als verminderte Blutgerinnung äußert, sind die Folgen bei den weißen Blutkörperchen wesentlich folgenreicher.

Leukozyten sind die zellulären Bestandteile der Immunabwehr, und einige davon produzieren Antikörper, mit denen sich Viren und Bakterien unschädlich machen lassen.

Daher ist die Abnahme dieser Zellen für den Körper fatal. Je weniger davon vorhanden sind, desto schwächer wird das Immunsystem. Je weiter es beeinträchtigt ist, desto leichteres Spiel haben Krankheitserreger. Die Anfälligkeit gegenüber Infekten steigt, und bereits ein simpler grippaler Infekt oder eine kleine Hautwunde kann fatale Folgen nach sich ziehen.

Warum man die Leukozyten bei Krebspatienten kontrolliert

Die möglichen Komplikationen einer Chemotherapie sind noch erheblicher als sonst, wenn die weißen Blutkörperchen ohnehin im Keller sind. Setzt man dem noch eins drauf und behandelt den Körper mit Zytostatika, ist das Immunsystem unter Umständen nicht mehr funktionstüchtig und der Patient stirbt sogar nach einem leichten Infekt.

Daher ist es vor jeder Chemotherapie unbedingt notwendig, die Zusammensetzung des Blutes und vor allem die Leukozyten bei Krebspatienten genau zu analysieren. Das geschieht mithilfe eines großen Blutbildes, das nicht nur die roten und weißen Blutkörperchen sowie die Blutplättchen in ihrer Gesamtheit erfasst, sondern darüber hinaus auch die verschiedenen Arten von Leukozyten wie Monozyten, Granulozyten und Lymphozyten unterscheidet.

Je nachdem wie dieses Differenzialblutbild ausfällt müssen die zuständigen Ärzte darüber entscheiden, ob eine neuerliche Runde Chemo möglich ist oder ob man erst einmal abwarten muss, bis sich die Zahl der Leukozyten bei dem Krebspatienten wieder einigermaßen normalisiert hat.

Quellen, Links und weiterführende Literatur

  • Gerd Herold: Innere Medizin. Köln 2016: G. Herold-Verlag. ISBN-10: 3981466063
  • Wolfgang Piper: Innere Medizin. 2. Auflage. Stuttgart 2012: Springer-Verlag. ISBN-10: 3642331076.
  • Reinhard Andreesen, Hermann Heimpel: Klinische Hämatologie. München 2009: Urban & Fischer/Elsevier-Verlag. ISBN-10: 343731498X.
  • Marlies Michl: BASICS Hämatologie. München 2016: Urban & Fischer/Elsevier-Verlag. ISBN-10: 3437421697.
  • Willibald Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch. 266. Auflage. Berlin 2014: Walter de Gruyter-Verlag. ISBN-10: 3110339978.
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  • Kurt Possinger, Anne Constanze Regierer: Facharztwissen Hämatologie Onkologie. 3. Auflage. München 2015: Urban & Fischer/Elsevier-Verlag. ISBN-10: 3437212133.
► Letzte Aktualisierung am von Dr. rer. medic. Harald Stephan