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Leukozyten bei Darmkrebs – Ursachen erhöhter Werte

13. September 2017
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Basiswissen rund um die Leukozyten bei Darmkrebs

Leidet ein Mensch an einem sogenannten kolorektalen Karzinom, ist er an Darmkrebs erkrankt. Der bösartige Tumor sitzt im Darmtrakt, wobei in 95 Prozent der Fälle das Colon und der Mastdarm betroffen sind. Das Immunsystem reagiert auf die Zellmutationen und aktiviert unter anderem die weißen Blutkörperchen, die sogenannten Leukozyten. Bei Darmkrebs sind die Werte daher meist erhöht. Lesen Sie, welche Aussagekraft diese Werte haben und wie Leukozyten bei Krebs im Darmbereich funktionieren:

 

Labor, Bluttest auf Leukozyten

Labor, Bluttest auf Leukozyten Copyright: sergiophoto, Bigstockphoto

 

 

Warum sind Leukozyten bei Darmkrebs erhöht?

Um zu verstehen, warum die Anzahl der Leukozyten bei Darmkrebs steigt, muss die Rolle dieser weißen Blutkörperchen betrachtet werden. Zunächst werden sie grob in fünf Unterformen untergliedert:

1. Lymphozyten sind die wichtigsten Vertreter der weißen Blutkörperchen und machen bis zu 40 Prozent der Gesamtmenge aus. Sie reagieren auf körperfeindliche Vorgänge und produzieren als Immunantwort passende Antikörper. Damit richten sie sich nicht nur gegen Erreger, sondern auch gegen Krebszellen.

2. Monozyten machen zwar nur rund fünf bis zehn Prozent der Gesamtzahl aller Leukozyten aus, sie sind jedoch als “Fresszellen” unersetzlich. Abgetötete Erreger und bösartigen Zellen werden von ihnen absorbiert und verdaut. Es handelt sich also um eine Art körperinnere Müllabfuhr.

3. Neutrophilen bewegen sich mit hoher Geschwindigkeit durch den Körper und “jagen” Bakterien. Sie machen bei jedem Menschen circa 40 Prozent aller vorhandenen Leukozyten aus.

4. Eosinophilen sind ebenfalls sehr schnell und kämpfen gegen Parasiten im Körper. Hinzu kommt eine Mitwirkung bei allergischen Reaktionen.

5. Basophilen machen zwar nur rund ein Prozent der Leukozyten aus, sind aber unmittelbar an Entzündungsprozessen beteiligt. Sie sind daher wichtig, um Erregerherde effektiv zu bekämpfen.

Für den Kampf des Immunsystems gegen ein Krebsleiden sind also vor allem Lymphozyten und Monozyten sehr wichtig. Haben die Abwehrkräfte einen Tumor erkannt, erhöhen sie als Reaktion darauf die Anzahl dieser Leukozyten.

 

Wie stellt der Arzt die Anzahl der Leukozyten bei Darmkrebs fest?

Um den Gesundheitszustand eines Patienten mit Darmkrebs realistisch einzuschätzen zu können, muss regelmäßig ein Blutbild angefertigt werden. Dafür genügt die klassische Blutabnahme über eine Armvene. Die Probe wird im Anschluss ins Labor geschickt und dort ausgewertet.

Um den Zustand der weißen Blutkörperchen zu bewerten, wird nachgesehen, ob sich ihre Anzahl im Normbereich befindet. Bei einem Erwachsenen bewegt sich dieser zwischen 3.800 Leukozyten pro einem Mikroliter Blut und maximal 10.000 Leukozyten pro einem Mikroliter Blut. Liegt die Anzahl deutlich darüber, spricht der Arzt von einer Leukozytose. Liegt sie darunter, handelt es sich um eine Leukopenie.

Labor, Bluttest auf Leukozyten

Labor, Bluttest auf Leukozyten Copyright: sergiophoto, Bigstockphoto

Wann steigt oder sinkt die Anzahl der Leukozyten bei Darmkrebs?

Da die Leukozyten bei Darmkrebs zunächst sehr aktiv werden, um bösartige Zellen abzutöten und zu beseitigen, zeigt sich bei Patienten zunächst eine Leukozytose. In dieser Phase ist das Immunsystem mit allen verfügbaren Kräften darum bemüht, dem Krebs Einhalt zu gebieten.

Auf Dauer kann der Körper jedoch diese Höchstleistung des Immunsystems nicht aufrechterhalten und es erfolgt im späteren Krebsverlauf ein Umschwung hin zur Leukopenie. Vor allem dann, wenn sich Metastasen im Körper gebildet haben, ist das Immunsystem oft schon erschöpft.

Hat der Krebs das Knochenmark erreicht, sinkt die Anzahl der Leukozyten ebenfalls. Der Grund: Die weißen Blutkörperchen entstehen aus Vorläuferzellen, die im Knochenmarkt heranwachsen. Durch Metastasen im Knochenmarkt kann der Krebs dem Immunsystem den Nachschub an Leukozyten abschneiden.

 

Leukozyten bei Darmkrebs: Genügt ein Blutbild zur Diagnose?

Viele Patienten, die aus unterschiedlichen Gründen beim Arzt waren und dort ein Blutbild anfertigen ließen, sind bei ihrem Ergebnis verunsichert, wenn der Leukozyten-Wert erhöht war. Sie sorgen sich, ob dies ein ernstes Anzeichen für Krebs sein könnte.

Der wichtigste Fakt hierzu: Eine Blutuntersuchung allein reicht nicht aus, um Darmkrebs zu diagnostizieren. Es gibt eine Reihe von Gründen, die zu einer Erhöhung der Leukozyten führen können. Es kann sich beispielsweise um eine harmlose Infektion handeln. Damit sind nicht allein Erkältungen gemeint, die Sie als Patient durch klassische Symptome spüren, sondern auch andere Infektionsherde.

Abweichende Blutwerte sind daher in erster Linie ein Indikator dafür, dass der Körper nicht im Gleichgewicht ist. Viele weiße Blutkörperchen sprechen für einen Krankheitsherd, der durch weitere Untersuchungen ausfindig gemacht werden sollte.

 

Warum sollten die Leukozyten bei Darmkrebs dennoch regelmäßig kontrolliert werden?

Auch wenn die Anzahl der weißen Blutkörperchen nicht zur eindeutigen Diagnose herangezogen werden kann, ist sie ein wichtiges Prognosemittel für Patienten mit Darmkrebs. Dafür gibt es drei Gründe:

1. Ist kurz nach der Krebsdiagnose der Leukoyztenwert noch über 10.000, kann der Arzt daraus ablesen, dass sich der Organismus in der Phase der Gegenwehr befindet und sich noch keine Metastasen im Knochenmarkt gebildet haben. Dies ist eine wichtige Aussage für die weitere Prognose.

2. Unabhängig vom aktuellen Stadium des Tumors zeigt das Blutbild, wie stark ein Patienten auf die verschriebenen Medikamente reagiert. Einige Wirkstoffe aus dem Bereich der Chemotherapie wirken direkt auf die Leukozyten. Bei Darmkrebs kann in diesem Fall die Zahl der weißen Blutkörperchen auch ohne Metastasenbildung sinken. Wird ein Wirkstoff mit dieser bekannten Nebenwirkung genommen, muss der Mediziner daher abklären, ob es am Medikament oder einer Metastasenbildung liegt.

3. Sinkt die Anzahl der Leukozyten ohne Medikamenteneinfluss ab, kann der Onkologe von einer Metastasenbildung ausgehen. Die Therapie kann entsprechend schnell darauf angepasst werden.

Quellen und Literatur:
Geißler, M.& Graeven U.: Das kolorektale Karzinom: evidenzbasierte Leitlinien, Georg Thieme Verlag, 1. Auflage, 2005
Dorothea Zucker-Franklin (Hrsg.): Atlas der Blutzellen Funktion und Pathologie. Stuttgart 1990
(www.grossesblutbild.de/blutwerte-bei-darmkrebs.html )

 

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