Blutkrebs Übersicht aller Leukämien und Lymphome Arten

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Alle Blutkrebsarten

Krebs kennen die meisten Menschen in Form von soliden Tumoren. Solide bedeutet, dass sie eine umgrenzte und feste Struktur haben. Man findet sie als sogenannte Primärtumoren in verschiedenen Organen wie Brust, Dickdarm oder Prostata.

Blutkrebs ist völlig anders: Er ist nicht solide, sondern eher als “flüssig” zu bezeichnen. Alle damit verbundenen Erkrankungen betreffen den ganzen Körper, da sie sich von Zellen des blutbildenden Systems ableiten. Diese Stammzellen sitzen im Knochenmark und bilden rote Blutkörperchen (Erythrozyten), weiße Blutkörperchen (Leukozyten) und Blutplättchen (Thrombozyten).

Die beiden Blutkrebsarten sind Leukämien und Lymphome.

Leukämien zeichnen sich dadurch aus, dass die Stammzellen durch eine Fehlfunktion eine große Zahl nicht funktionstüchtiger weißer Blutkörperchen in den Blutkreislauf freisetzen.

Sie verdrängen die normalen Blutkörperchen, können derern Funktionen aber nicht übernehmen. Das führt dazu, dass rote Blutkörperchen für den Sauerstofftransport fehlen, Blutplättchen für die Blutgerinnung und weiße Blutkörperchen für die Immunabwehr.

Daher leiden die betroffenen Patienten an Blutarmut (Anämie) mit Leistungsschwäche, ständiger Müdigkeit und Herzrasen (Tachykardie), erhöhter Blutungsneigung und einer erhöhten Anfälligkeit für Infektionen. Man unterscheidet grob in akute und chronische Leukämien. Erstere entwickeln sich binnen weniger Wochen, bei letzteren ist der Krankheitsverlauf schleichend und zieht sich über Monate oder Jahre hin.

Lymphome betreffen speziell eine Untergruppe der weißen Blutkörperchen, die Lymphozyten. Man findet diese außer im Knochenmark normalerweise in Milz und Lymphknoten sowie in der Thymusdrüse.

Wenn diese Zellen entarten, bilden sie in diesen Organen große Mengen an nicht funktionsfähigen Zellen, die zu einer charakteristischen Schwellung vor allem der Lymphknoten führen.

Hier unterscheidet man zwischen den Hodgkin-Lymphomen (Morbus Hodgkin), die sich durch das Vorhandensein charakteristischer Zellen auszeichnen. Das unterscheidet sie von der großen und heterogenen Gruppe der Non-Hodgkin-Lymphome, die in Erscheinungsbild, Therapie und Prognose sehr unterschiedlich ausfallen.

Die wichtigsten Kriterien und Unterscheidungsmerkmale der verschiedenen Leukämien und Lymphome sind in der nachfolgenden Blutkrebsarten Tabelle zusammengefasst.

Übersicht aller Blutkrebsarten Leukämien und Lymphome

akute lymphatische Leukämie (ALL)

betroffende Altergruppe Kinder
Anmerkungen häufigste Krebserkrankung des Kindesalters!
bei Erwachsenen zunehmendes Risiko ab dem 50. Lebensjahr
mittlerer Altersdurchschnitt 2-5 Jahre
Häufigkeit 20% der akuten Leukämien
bei Kindern 75-80 % der Leukämien
Inzidenz (Neuerkrankungen) durchschnittlich 1,1 – 1,5/100.000 pro Jahr
bei Kindern unter fünf Jahren 5,3/100.000 pro Jahr!
Geschlechterverhältnis Männer: Frauen 1,4:1,0
Krankheitsverlauf akuter Ausbruch innerhalb weniger Wochen
Klassifikation nach WHO Unterteilung in
Precursor Lympoid Neoplasms der B-Zellen oder T-Zellen
Mature B-cell neoplasms – Burkitt Lymphom
weitere Untergruppen nach immunologischen Kriterien und Immunphänotypisierung (GMALL Studiengruppe)
Weitere Klassifikationen nach EGIL oder FAB
Ursachen und Risikofaktoren genaue Ursachen unklar

mutagene Faktoren wie ionisierende Strahlung (Röntgenstrahlung, Radioaktivität)
krebserregende Chemikalien
Chemotherapie mit zellvermehrungshemmenden Substanzen (Zytostatika)
genetische Faktoren
Infektionen mit Viren (HTLV)
Rauchen
Vorerkrankungen wie CML, multiples Myelom, Morbus Hodgkin

Erhöhtes Risiko bei genetischen Erkrankungen Klinefelter-Syndrom, Down-Syndrom
entartete Zellen Vorläuferzellen der Lymphozyten im Knochenmark (lymphatische Stammzellen) bilden Lymphoblasten, unreife weiße Blutkörperchen (Lymphozyten), die die normale Blutbildung im Knochenmark verdrängen.

Unterscheidung nach den vermehrten Leukozyten-Vorstufen in B-Zell-ALL (75 %) und T-Zell-ALL (25 %).

Ansammlung der entarteten Zellen im Knochenmark, Lymphknoten, Milz, zentralen Nervensystem.

Geschwindigkeit der Veränderungen des Blutbildes schnell
Lokalisation im ganzen Körper verteilt
Leukozyten erhöht 50 % der Fälle
Blutarmut (Anämie) bei über 90 %
verringerte Blutplättchenzahl (Thrombopenie) 90 % der Fälle
Veränderungen der sonstigen Blutwerte Hämoglobin (Hb) teilweise erhöht oder erniedrigt
Vergrößerung der Lymphknoten mittel
Vergrößerung der Milz sehr oft
Blutbild kleines und großes Blutbild (Differenzialblutbild)
weitere Verfahren zur Diagnose Knochenmarkpunktion
Lumbalpunktion zur Klärung eines Befalls des zentralen Nervensystems
weitere mikroskopische Untersuchungen Untersuchung eines Knochenmarksausstriches
Liquoruntersuchung des Lumbalpunktates
zytogenetische Kennzeichen bei Erwachsenen und Kindern unterschiedliche genetische Veränderungen mit komplexen Aberrationen der Chromosomen (Philadelphia-Chromosom u.a.)
Bildgebende Verfahren Sonografie, Computertomografie (CT), Magnetresonanztomografie (MRT), Röntgen
Symptome Unureichende Funktion des Knochenmarks durch Verdrängung der normalen Blutbildung durch die wuchernden Lymphoblasten

Anzeichen der Blutarmut mit Schwäche, Blässe

Störungen der Blutgerinnung durch fehlende Blutplättchen mit Nasen- und Zahnfleischbluten, blauen Flecken (Hämatomen) und Hauteinblutungen (Petechien). Verlangsamter Wundverschluss

Immschwäche mit Infektionen und fiebrigen Entzündungen durch das Fehlen funktionsfähiger Leukozyten

Knochen- und Gelenkschmerzen vor allem bei Kindern

Lymphknotenschwellungen, vergrößerte Milz, Leber und Thymusdrüse

Lähmungserscheinungen und neurologische Ausfälle durch die Beteiligung von Hirn und Hirnhäuten

Fehlender Appetit und Gewichtsabnahme

Einstufung der Risikogruppe nach Lebensalter
Gesundheitszustand
Untergruppe der ALL
Anzahl der Leukozyten
Begleiterkrankungen
Therapie Chemotherapie mit Corticosteroiden, Anthracyclinen, Cytarabin, Vincristin, Cyclophosphamid

Strahlentherapie zur Verhinderung einer Beteiligung des Gehirns, teilweise auch des Mittelfellraums (Mediastinum)

Stammzelltransplantation

Erfolgsquote der Therapie unbehandelt innerhalb von Tagen bis Wochen tödlich
mit Chemotherapie heilbar bei 35-50 % der Erwachsenen und bis zu 80 % aller Kinder
Prognose von Fall zu Fall sehr unterschiedlich, da Krankheitsbild uneinheitlich

 

 

akute myeloische Leukämie (AML)

betroffende Altergruppe Erwachsene
Anmerkungen häufigste Leukämie bei Neugeborenen
bei Kindern selten
Hälfte der Patienten über 70 Jahre
mittlerer Altersdurchschnitt 63 Jahre
Häufigkeit 80 % der akuten Leukämien
bei Kindern 20 % der Leukämien
Inzidenz (Neuerkrankungen) 3/100.000 pro Jahr
Geschlechterverhältnis Männer: Frauen 1,4:1,0
Krankheitsverlauf akuter Ausbruch innerhalb weniger Wochen
Klassifikation nach WHO in
AML mit wiederkehrenden genetischen Veränderungen
AML mit Myeolodysplasie-assoziierten Veränderungen
Therapie-assoziiierte myeloische Neoplasien
Nicht anderweitig klassifizierte AML
Weitere Klassifikation nach FAB
Ursachen und Risikofaktoren mutagene Faktoren wie ionisierende Strahlung (Röntgenstrahlung, Radioaktivität)
krebserregenede Chemikalien
Chemotherapie mit zellvermehrungshemmenden Substanzen (Zytostatika)
genetische Faktoren
Vorerkrankungen wie CML, aplastische Anämie
Rauchen
Erhöhtes Risiko bei genetischen Erkrankungen Klinefelter-Syndrom, Down-Syndrom, Patau-Syndrom; Kostmann-Syndrom, Bloom-Syndrom, Fanconi-Anämie
entartete Zellen Myeloische Stammzellen (Vorläuferzellen der roten Blutkörperchen (Erythrozyten), Blutplättchen (Thrombozyten) und einem Teil der weißen Blutkörperchen (Leukozyten: Granulozyten, Monozyten) bleiben auf früher Entwicklungsstufe stehen: Myeloblasten.

Massive Vermehrung im Knochenmark und im Blut.

Geschwindigkeit der Veränderungen des Blutbildes schnell
Lokalisation im ganzen Körper verteilt
Leukozyten erhöht 50 % der Fälle
Blutarmut (Anämie) bei über 90 %
verringerte Blutplättchenzahl (Thrombopenie) 80 % der Fälle
Veränderungen der sonstigen Blutwerte Lactat-Dehydrogenase (LDH) erhöht
Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG) erhöht
Harnsäure erhöht
Vergrößerung der Lymphknoten leicht bis mittel
Vergrößerung der Milz oft
Blutbild kleines und großes Blutbild (Differenzialblutbild)
weitere Verfahren zur Diagnose Knochenmarkpunktion
Lumbalpunktion zur Klärung eines Befalls des zentralen Nervensystems
weitere mikroskopische Untersuchungen Untersuchung eines Knochenmarksausstriches
Liquoruntersuchung des Lumbalpunktates
zytogenetische Kennzeichen Verlagerung von Chromosomenabschnitten (Translokationen), z.B. Philadelphia-Chromosom oder Translokation t(15;17) bei der akuten Promyelozytenleukämie (APL)
Bildgebende Verfahren Sonografie, Computertomografie (CT), Magnetresonanztomografie (MRT), Röntgen
Symptome Unzureichende Funktion des Knochenmarks durch Verdrängung der normalen Blutbildung durch die wuchernden Myeloblasten

Anzeichen der Blutarmut mit Schwäche, Blässe

Störungen der Blutgerinnung durch fehlende Blutplättchen mit Nasen- und Zahnfleischbluten, blauen Flecken (Hämatomen) und Hauteinblutungen (Petechien). Verlangsamter Wundverschluss

Immunschwäche mit Infektionen und fiebrigen Entzündungen durch das Fehlen funktionsfähiger Granulozyten und Monozyten/Makrophagen

Knochen- und Gelenkschmerzen

Lymphknotenschwellungen, vergrößerte Milz

Bauchschmerzen, fehlender Appetit, Gewichtsabnahme

Selten Befall des zentralen Nervensystems, Hautveränderungen und Atemnot

Einstufung der Risikogruppe nach Lebensalter
Gesundheitszustand
Untergruppe der AML
Anzahl der Leukozyten
Begleiterkrankungen
Therapie Chemotherapie (Cytarabin (AraC), Daunorubicin, Thioguanin, Azacitidin, Decitabin)

Stammzelltransplantation

Bei Einlagerung von Myeloblasten In Haut, Knochenhaut und Knochenmark (Chloromen) zusätzlich Bestrahlung

Erfolgsquote der Therapie komplette Remission bei 70 % der Fälle

 

chronische lymphatische Leukämie
(CLL)

betroffende Altergruppe mittelalte und ältere Erwachsene
Anmerkungen häufigste Leukämie bei Erwachsenen
„Altersleukämie“
mittlerer Altersdurchschnitt 70 – 75 Jahre
Häufigkeit bei Kindern unter 1 % aller Leukämien
Inzidenz (Neuerkrankungen) 4/100.000 pro Jahr
Geschlechterverhältnis Männer: Frauen 1,7:1,0
Krankheitsverlauf sehr heterogen, mit aggressiven oder sehr langsamen Verläufen
Klassifikation Einteilung nach Binet mit Stadium A, B, C nach Hämoglobinkonzentration, Thrombozytenzahl und Anzahl der betroffenen Regionen (Lymphknoten, Leber, Milz)
Einteilung nach Rai nach Lymphadenopathie, Hepatomegalie/Splenomegalie, Hämoglobin und Thrombozyten
Ursachen und Risikofaktoren Risikofaktoren sind mutagene Faktoren wie ionisierende Strahlung (Röntgenstrahlung, Radioaktivität)
krebserregende Chemikalien
Chemotherapie mit zellvermehrungshemmenden Substanzen (Zytostatika)
Erhöhtes Risiko bei genetischen Erkrankungen
entartete Zellen Vorläuferzellen der Lymphozyten, vor allem B-Zellen, seltener B-Zellen, bilden fehlerhafte, nicht funktionelle Lymphozyten in Blut, Knochenmark, Milz, Leber
Geschwindigkeit der Veränderungen des Blutbildes über Monate oder Jahre
Lokalisation im ganzen Körper verteilt
Leukozyten erhöht immer
Blutarmut (Anämie) 50 % der Fälle, gering ausgeprägt
verringerte Blutplättchenzahl
(Thrombopenie)
40 % der Fälle
Veränderungen der sonstigen Blutwerte
Vergrößerung der Lymphknoten sehr ausgeprägt
Vergrößerung der Milz häufig, aber mäßig
Blutbild kleines und großes Blutbild (Differenzialblutbild)
weitere Verfahren zur Diagnose Knochenmarkpunktion
weitere mikroskopische Untersuchungen Untersuchung eines Knochenmarkausstriches
Immunzytochemische Untersuchung der Leukämiezellen mit Antikörpern gegen bestimmte Oberflächenmarker (CD19, CD23, CD5)
zytogenetische Kennzeichen vor allem Veränderungen der Chromosomen mit Wegfall (Deletion) von Abschnitten oder Verlagerungen (Translokationen), Trisomie-12
Bildgebende Verfahren Sonografie, Computertomografie (CT), Magnetresonanztomografie (MRT), Röntgen
Symptome Lahmlegung des Immunsystems durch fehlender Antikörper mit resultierender Immunschwäche und Infektanfälligkeit
Lymphknotenschwellungen, Vergrößerungen von Leber und Milz, Beteiligung der Haut (Juckreiz, Ekzeme, Pilzerkrankungen, Einblutungen (Petechien), Infiltrate)
Einstufung der Risikogruppe nach Lebensalter
Gesundheitszustand
Untergruppe der CLL
Anzahl der Leukozyten
Begleiterkrankungen
Therapie Chemotherapie (Cyclophosphamid, Fludarabin)
Stammzelltransplantation
Antikörpertherapie (Rituximab)
Erfolgsquote der Therapie abhängig vom genetischen Hintergrund
vollständige Heilung durch Chemotherapie und Antikörpertherapie nicht möglich
komplette Remission durch Stammzelltransplantation prinzipiell möglich, aber hohe Sterblichkeitsraten

 

 

chronische myeloische Leukämie (CML)

betroffende Altergruppe Erwachsene
Anmerkungen mit zunehmendem Alter steigendes Risiko
mittlerer Altersdurchschnitt 35 – 60 Jahre
Häufigkeit bei Kindern 2 % der Leukämien
Inzidenz (Neuerkrankungen) 1,6/100.000 pro Jahr
Geschlechterverhältnis Männer: Frauen 1,4:1,0
Krankheitsverlauf langsame Entwicklung mit unbehandelt typischem Verlauf aus chronischer Phase, Akzelerationsphase und Blastenkrise
Klassifikation nach European Leukemia Net (ELN) in chronische Phase, akzelerierte Phase und Blastenkrise
ähnliche Kiterien nach der Einteilung der WHO
Ursachen und Risikofaktoren genetische Faktoren, mutagene Faktoren wie ionisierende Strahlung, krebserregende Chemikalien, Chemotherapie
Erhöhtes Risiko bei genetischen Erkrankungen
entartete Zellen Vorläuferzellen der Granulozyten bilden unreife Granulozyten, Ansiedlung in Milz und Leber
weitere Vorstufen aus der myeloischen Reihe
Geschwindigkeit der Veränderungen des Blutbildes über Monate oder Jahre schleichend, dann sehr schnell
Lokalisation im ganzen Körper verteilt
Leukozyten erhöht immer
Blutarmut (Anämie) sehr oft, gering ausgeprägt
verringerte Blutplättchenzahl (Thrombopenie) oft
Veränderungen der sonstigen Blutwerte Lactat-Dehydrogenase (LDH) erhöht
Harnsäure erhöht
Vergrößerung der Lymphknoten geringfügig
Vergrößerung der Milz oft, aber mäßig
Blutbild kleines und großes Blutbild (Differenzialblutbild)
weitere Verfahren zur Diagnose Knochenmarkpunktion
zytogenetische Untersuchung
weitere mikroskopische Untersuchungen Untersuchung eines Knochenmarksausstriches
zytogenetische Kennzeichen 95 % der Fälle mit Philadelphia-Chromosom 22, restliche 5 % mit komplexen Chromosomenveränderungen
Bildgebende Verfahren Sonografie, Computertomografie (CT), Magnetresonanztomografie (MRT), Röntgen
Symptome chronische Phase mit langsamer Zunahme der weißen Blutkörperchen (Leukozytose) und Vergrößerungen von Leber und Milz
Akzelerationsphase mit zunehmender Leukozytose, Blutarmut (Anämie) und verminderter Blutplättchenzahl (Thrombozytopenie) durch Verdrängung der Blutbildung
Blastenkrise ähnlich einer akuten Leukämie mit akuter Leukozytose und Ansammlung von Blasten in Blut und außerhalb der lymphatischen Organe (Chlorome)
Einstufung der Risikogruppe nach Lebensalter
Gesundheitszustand
Untergruppe der CML
Anzahl der Leukozyten
Begleiterkrankungen
Therapie Stammzelltransplantation
Tyrosinkinase-Inhibitoren (TKI) wie Imatinib, Dasatinib, Bosutinib
Erfolgsquote der Therapie komplette Remission wird noch diskutiert, da TKI noch nicht lange genug im Einsatz
In jedem Fall wesentlich bessere Überlebensraten seit Einführung der TKI (Fünf-Jahres-Überlebensrate bei Imatinib über 90 %)

 

 

Hodgkin-Lymphome (HL)

betroffende Altergruppe Erwachsene
Anmerkungen vor allem Erwachsene mittleren Alters
mittlerer Altersdurchschnitt drei Altersgipfel:
12 – 44 – 70 Jahre
mittlerer Altersgilpfel bei 32 Jahren
Häufigkeit 0,4 % aller Krebsneuerkrankungen
Inzidenz (Neuerkrankungen) 2-4/100.000 pro Jahr
Kinder: 0,7/100.000 pro Jahr
Geschlechterverhältnis Männer: Frauen 1,5:1,0
Krankheitsverlauf langsame Entwicklung
Klassifikation WHO-Klassifikation mit
Nodulär-lymphozytenprädominantes HL (NLPHL)
Klassisches Hodgkin-Lymphom (cHL)
Ursachen und Risikofaktoren genaue Ursachen noch nicht geklärt
Zusammenhang mit Infektion mit Eppstein-Barr-Virus (EBV: Pfeiffersches Drüsenfieber, Mononucleosis infectiosa): Virus führt zur Neuanordnung der Gene für die Immunglobuline in den B-Zellen (Hodgkin-Zellen, Reed-Sternberg-Zellen)
Störungen des Immunsystems durch HIV oder Immunsuppressiva nach Knochenmark- und Organtransplantationen erhöhen das Risiko deutlich
Erhöhtes Risiko bei genetischen Erkrankungen
entartete Zellen vor allem B-Lymphozyten in den Lymphknoten, dazu weitere Lymphozyten, Makrophagen, eosinophile Granulozyten, Plasmazellen
Geschwindigkeit der Veränderungen des Blutbildes über Monate
Lokalisation am häufigsten im Halsbereich (zervikal; 80 %)
Im Brustkorb (mediastinal) oder in der Leiste (inguinal)
Leukozyten erhöht meistens deutlich erniedrigt! Wenn Leukozytose auftritt, dann nur aus wuchernden Lymphozyten (Lymphozytose)
Blutarmut (Anämie) häufig
verringerte Blutplättchenzahl (Thrombopenie) oft
Veränderungen der sonstigen Blutwerte C-reaktives Protein (CRP) erhöht Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG) erhöht
Lactat-Dehydrogenase (LDH) erhöht
Vergrößerung der Lymphknoten erheblich, aber schmerzlos
Vergrößerung der Milz oft erheblich
Blutbild kleines und großes Blutbild (Differenzialblutbild)
keine spezifischen Laborparameter!
weitere Verfahren zur Diagnose Sicherung der Diagnose durch Biopsien und Entnahme betroffener Lymphknoten
für daran anschließende histologische Untersuchungen
weitere mikroskopische Untersuchungen Nachweis von typischen Hodgkin-Zellen und Reed-Sternberg-Zellen
zytogenetische Kennzeichen keine eindeutigen zytogenetischen Marker
Bildgebende Verfahren Sonografie, Computertomografie (CT), Magnetresonanztomografie (MRT), Röntgen
Symptome schmerzlose Lymphknotenschwellungen an Hals, in der Achselhöhle und in der Leistengegend
Fieber, Nachtschweiss, Leistungsabfall, Müdigkeit, unerklärliche Gewichtsabnahme
seltene, aber absolut typische schmerzende Lymphknoten nach Alkoholgenuss
Vergrößerungen von Milz und Leber eher selten auftretend
in fortgeschrittenen Stadien Infektanfälligkeit, Nervenschädigungen (Neuralgien), Hirnentzündungen (Encephalitis), Autoimmunerscheinungen
Einstufung der Risikogruppe nach Lebensalter
Gesundheitszustand
Vorhandsein der B-Zell-Antigene CD20 und CD79a
Anzahl der Lymphozyten
Anzahl der befallenen Lymphknotenregionen
Seite des Zwerchfells mit Lymphknotenbefall
Tumor im Zwischenfellraum (Mediastinum)
Befall von Organen
außerhalb des lymphatischen Systems
Therapie Je nach Typ Chemotherapie (Vincristin, Etoposid, Adriamycin, Cyclophosphamid) und/oder
Strahlentherapie
Vorsicht: Bestrahlung kann weitere Tumoren (Sekundärmalignome) verursachen!
Antikörpertherapie
Erfolgsquote der Therapie komplette Remission in vielen Fällen möglich, vor allem in frühen Stadien
Heilungsrate in fortgeschrittenen Stadien etwa 60 %
5-Jahres-Überlebensraten je nach Stadium über 90%, bei erneuter Erkrankung (Rezidiv) deutlich geringer
bei Rezidiven Prognose umso schlechter, je früher dieses auftritt
besonders bei Kindern und Heranwachsenden sehr gute Prognose

 

 

Non-Hodgkin-Lymphome (NHL)

betroffende Altergruppe alle Altersstufen
Anmerkungen mit zunehmendem Alter steigendes Risiko
mittlerer Altersdurchschnitt mit dem Alter ansteigend
Häufigkeit 5 % aller Krebsneuerkrankungen
Inzidenz (Neuerkrankungen) 5-10/100.000 pro Jahr
bei AIDS-Patienten 1.000fach erhöhtes Risiko
Geschlechterverhältnis Männer: Frauen 1,5:1,0
Krankheitsverlauf sehr heterogen, Verlauf abhängig vom genetischen Subtyp
Klassifikation WHO-Klassifikation nach Vorläuferzellen, Oberflächemmerkmalen, Gestalt der Zellen und Teilungsrate:
Prolymphozyten-Leukämie
Kleinzellige B-Zell-Lymphome
Großzellige B-Zell-Lymphome
Burkitt-Lymphome
Multiples Myelom (Plasmozytom)
Ursachen und Risikofaktoren genaue Ursachen noch nicht vollständig geklärt
vor allem genetische Veränderungen an den Chromosomen
mutagene Faktoren wie ionisierende Strahlung, krebserregende Chemikalien, Chemotherapie, Pestizide (Malathion, Glyphosat)
Virusinfektionen (HIV, EBV, HTLV-1)
Autoimmunerkrankungen (Sjögren-Syndrom)
Bakterieninfektionen mit Helicobacter pylori, dem Hauptverursacher von Magengeschwüren (MALT-Lymphom der Magenschleimhaut)
Erhöhtes Risiko bei genetischen Erkrankungen erblich beim Wiskott-Aldrich-Syndrom auftretend
entartete Zellen B- oder T-Zellen der lymphatischen Organe (Lymphknoten, Milz),
daher Unterscheidung zwischen einer
B- (80 %) und einer T-Linie (20 %) des NHL
sehr selten sind Killerzellen betroffen
Geschwindigkeit der Veränderungen des Blutbildes über Monate
Lokalisation sehr unterschiedlich je nach Klassifikation:
im ganzen Körper verteilt oder in verschiedenen inneren Organen (extranodal),
in Lymphknoten (nodal),
bevorzugt in der Haut (kutan)
Leukozyten erhöht meistens deutlich erniedrigt! Wenn Leukozytose auftritt, dann nur aus wuchernden Lymphozyten (Lymphozytose)
Blutarmut (Anämie) häufig, oft durch Auflösung der roten Blutkörperchen (hämolytische Anämie)
verringerte Blutplättchenzahl (Thrombopenie) oft
Veränderungen der sonstigen Blutwerte Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG) erhöht
Blutwert für Eisen erniedrigt
Blutwert für Ferritin erhöht
Fibrinogen erhöht
Globulinwerte erhöht – vor allem der Immunglobuline der entarteten B-Zellen (monoklonale Gammopathie)
Vergrößerung der Lymphknoten erheblich, aber schmerzlos
Vergrößerung der Milz oft erheblich
Blutbild kleines und großes Blutbild (Differenzialblutbild)
Laborparameter sehr unterschiedlich
weitere Verfahren zur Diagnose Sicherung der Diagnose durch Biopsien und Entnahme betroffener Lymphknoten
für daran anschließenden histologische Untersuchungen,
zytogenetische und molekularbiologische Untersuchungen der zugrunde liegenden Chromosomenveränderungen am Gewebematerial
weitere mikroskopische Untersuchungen Nachweis des Fehlens der für HL typische Hodgkin-Zellen und Reed-Sternberg-Zellen
zytogenetische Kennzeichen klassischer Marker: Verschiebung eines Chromsomenbruchstückes (Burkitt-Translokation t(8;14)(q24;q32)), das das Protoonkogen c-MYC aktiviert
weitere Chromosomenveränderungen bei den verschiedenen Untergruppen (Trisomie-3, Trisomie-12 und andere)
Bildgebende Verfahren Sonografie, Computertomografie (CT), Magnetresonanztomografie (MRT), Röntgen
Symptome schmerzlose Lymphknotenschwellungen an Hals, in der Achselhöhle und in der Leistengegend
Fieber, Nachtschweiss, Leistungsabfall, Müdigkeit, unerklärliche Gewichtsabnahme
Vergrößerungen von Milz und Leber seltener
in fortgeschrittenen Stadien Infektanfälligkeit, durch die Verdrängung der Blutbildung im Blutbild entweder kaum Leukozyten zu finden (Leukopenie) oder lediglich Lymphozyten (Leukozytose, genauer Lymphozytose)
Einstufung der Risikogruppe nach Lebensalter
Gesundheitszustand
Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG)
Anzahl der befallenen Lymphknoten
Seite des Zwerchfells mit Lymphknotenbefall
Befall von Organen
außerhalb des Lymphatischen Systems
Bösartigkeit (Malignität)
Therapie abhängig vom Stadium und Subtyp Chemotherapie (Cyclophosphamid, Vincristin, Doxorubicin plus Prednisolon = CHOP) und/oder Strahlentherapie
Erfolgsquote der Therapie sehr heterogene Gruppe, daher Prognose abhängig von Subtyp des NHL, Stadium und Alter des Patienten sehr unterschiedlich
teilweise komplette Remission möglich
teilweise schneller tödlicher Verlauf
lange Rekonvaleszenzzeiten

 

 

weiterführende Informationen und Hilfe:

  1. Kompetenznetz Magline Lymphome. Link>>.
  2. Kompetenznetz Leukämie: Leukämien. Link>>.
  3. Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie:
    • Onkopedia Leitlinien: Hämatologische Neoplasien. Link>>.
    • Patienten Onkopedia Leitlinien: Blut- und Lymphknotenkrankheiten, bösartig. Link>>.
  4. Deutsche Krebshilfe – Die Blauen Ratgeber:
    • Leukämie bei Erwachsenen. PDF>>.
    • Hodgkin Lymphom. PDF>>.
    • Plasmozytom/Multiples Myelom. PDF>>.
  5. Janssen-Cilag Krebsratgeber:
    • Von Blutkrebs und geschwollenen Lymphknoten. Link>>.
    • Leukämien und Lymphome. Link>>.
  6. Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ):
    • Leukämie bei Erwachsenen/Leukämie bei Kindern und Jugendlichen. Link>>.
    • Lymphome. Link>>.
  7. Deutsche Leukämie- und Lymphomhilfe (DLH):
    • Broschüren für Patienten. Link>>.
    • DLH-Info-Blätter. Link>>.
  8. Kinderkrebsinfo:

Quellen und Literaturverzeichnis

  1. W. Hiddemann (Hrsg.), Tumorzentrum München: Manual Leukämien, myelodysplastische und myeloprollferative Syndrome: Empfehlungen zur Diagnostik, Therapie und Nachsorge. 2. Auflage. Germering 2003: Zuckschwertdt-Verlag. ISBN-10: 3886038025.
  2. Dietrich Reinhardt, Thomas Nicolai, Klaus-Peter Zimmer (Hrsg.): Therapie der Krankheiten im Kindes- und Jugendalter. 9. Auflage. Heidelberg: Springer Verlag (2014). ISBN-10: 3642418139.
  3. Christian Müller: Ein Meilenstein in der Medizin: Die Geschichte des Behandlungserfolges bei Leukämie und Lymphom im Kindesalter. Essen 2014: Lehmanns-Verlag. ISBN-10: 3865416586.
  4. Reinhard Andreesen, Hermann Heimpel: Klinische Hämatologie. München 2009: Urban & Fischer/Elsevier-Verlag. ISBN-10: 343731498X.
  5. Marlies Michl: BASICS Hämatologie. München 2016: Urban & Fischer/Elsevier-Verlag. ISBN-10: 3437421697.
  6. Kurt Possinger (Hrsg.), Anne Constanze Regierer (Hrsg.): Facharztwissen Hämatologie Onkologie. 3. Auflage. München 2015: Urban & Fischer/Elsevier-Verlag. ISBN-10: 3437212133.
  7. Dietmar P. Berger, Roland Mertelsmann: Das Rote Buch: Hämatologie und Internistische Onkologie. Landsberg am Lech 2017: Verlag ecomed Medizin. ISBN-10: 3609512210.
  8. S. Swerlow, E. Campo, N. L. Harris: WHO Classification of Tumours of Haematopoietic and Lymphoid Tissues (World Health Organization Classification of Tumours, Band 2). ISBN-10: 928324494X.
  9. Paul Imbach, Thomas Kühne, Robert J. Arceci: Kompendium Kinderonkologie. 3. Auflage. Stuttgart 2014: Springer-Verlag. ISBN-10: 3662434849.
  10. Charlotte Niemeyer, Angelika Eggert: Pädiatrische Hämatologie und Onkologie (Springer Reference Medizin). 2. Auflage. Springer-Verlag. ISBN-10: 366243685X.
  11. Lorenz Grigull, Benedikt Wronski: Huckepack durch die Kinderonkologie: Einsteigerbuch für die Kitteltasche. Stuttgart 2016: Springer-Verlag. ISBN-10: 3662499096.
  12. Thomas Kühne, Alexandra Schifferli: Kompendium Kinderhämatologie. Stuttgart 2015: Springer-Verlag. ISBN-10: 3662481022.

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