Leukozytendifferenzierung im Labor

23. Februar 2018

Auf welche Weise erfolgt die Leukozytendifferenzierung?

Die weißen Blutkörperchen – Leukozyten – bilden die kernhaltigen Zellen im menschlichen Organismus. Sie tragen kein Hämoglobin, den roten Blutfarbstoff, in sich und dienen hauptsächlich als Abwehrzellen. Leiden Sie unter einem Mangel an weißen Blutzellen, erstellt der Arzt mithilfe einer Blutprobe das große Blutbild, auch Differenzialblutbild genannt.

 

Leukozyten bei der Wundheilung

Rote und Weiße Blutkörperchen Copyright: Kateryna Kon, Bigstockphoto

Anhand der darauf resultierenden Leukozytendifferenzierung findet er heraus, welche Unterart der weißen Blutkörperchen eine krankhafte Erhöhung oder Erniedrigung aufweist. Die Erkenntnis gibt Aufschluss über die Grunderkrankung. Zudem hilft die Kontrolle der Leukozytenarten, einen Krankheits- oder Therapieverlauf im Auge zu behalten.

Welche Arten von weißen Blutzellen existieren?

Leukozyten zählen nicht zu den homogenen Zellsorten. Im menschlichen Organismus nehmen sie unterschiedliche Funktionen ein und verfügen über unterschiedliche Formen und Größen.

Nach morphologischen Kriterien erfolgt die Leukozytendifferenzierung in folgende Untergruppen:

• Granulozyten,
• Lymphozyten und
• Monozyten.

 

Die Granulozyten unterteilen sich in die neutrophilen, die basophilen und die eosinophilen Granulozyten. Hierbei existiert innerhalb der neutrophilen Granulozyten eine weitere Leukozytendifferenzierung. Die Ärzte sprechen von den jugendlichen, den stabkernigen und den segmentkernigen Granulozyten. Bei den Lymphozyten unterscheiden sich die B-Zellen, die T-Zellen und die NK-Zellen voneinander.

Die Einteilung spielt bei der Erstellung des Differenzialblutbilds eine wichtige Rolle. Dabei gibt das Verteilungsmuster Auskunft über den Immunstatus des Patienten. Ebenso dient die Leukozytendifferenzierung der Verlaufskontrolle von Infektionskrankheiten.

Leukozytendifferenzierung als Identifikationsmöglichkeit von Erkrankungen

Anhand der unterschiedlichen weißen Blutzellen erkennen Mediziner, ob im Gewebe des Patienten eine Krankheit oder eine Entzündung vorliegt. Beispielsweise gehören die Granulozyten zur zellulären Immunabwehr. Liegt eine starke Erhöhung ihrer Konzentration im Blut vor, leiden Sie beispielsweise an einer Allergie oder einer Infektion. Zusätzlich führen Vergiftungen zu einem Anstieg der Untergruppe der weißen Blutzellen. Bei den jugendlichen oder neutrophilen Granulozyten handelt es sich um frisch gebildete Zellen. Eine weitere Stufe dieser weißen Blutkörperchen stellen die stabförmigen Granulozyten dar.

Sie besitzen einen unsegmentierten Zellkern. Treten übermäßig viele stabförmige Granulozyten in einer Blutprobe auf, handelt es sich um eine Linksverschiebung im Differenzialblutbild. Ebenso liegt hierbei der Verdacht einer Infektion nahe. Im peripheren Blut kommen die segmentkernigen neutrophilen Granulozyten prozentual am meisten vor. Sie erweisen sich als letzte Reifestufe der Granulopoese. Die eosinophilen weisen eosinophile Vesikel in ihrem Zytoplasma auf. Sie gehören zur unspezifischen zellulären Immunabwehr. Ihr Anstieg resultiert aus einer allergischen Reaktion im Blut.

Bei der Leukozytendifferenzierung achten die Mediziner zusätzlich auf die basophilen Granulozyten. Die am geringsten vorkommende Art der Granulozyten besitzt basophile Vesikel und sorgt für die Steuerung von Allergiereaktionen.

Die Leukozytendifferenzierung der Lymphozyten

Die Lymphozyten übernehmen die gezielte Abwehr von Krankheitserregern sowie die Identifikation und Vernichtung beschädigter körpereigener Zellen. Dazu gehören beispielsweise Tumorzellen. Die Leukozytendifferenzierung unterscheidet die B-Lymphozyten, die T-Lymphozyten sowie die NK-Lymphozyten. Erstere entstehen im MALT – dem mukosa-assoziierten lymphatischen Gewebe – und in den Lymphknoten.

Sie produzieren spezifische Antikörper gegen eindringende Antigene. Bei ihnen erfolgt eine erneute Unterteilung in:

• antigenunerfahrene B-Zellen,
• Plasmablasten,
• Plasmazellen
• und B-Gedächtniszellen.

Bei den Plasmablasten handelt es sich um Lymphozyten, die bereits Merkmale einer Plasmazelle aufweisen. Die voll entwickelten Plasmazellen bestehen als reifstes Differenzierungsstadium der B-Lymphozyten. B-Gedächtniszellen übernehmen die Aufgabe, Informationen über bereits identifizierte Erreger zu speichern.

T-Lymphozyten reifen innerhalb des Thymus heran.

Sie teilen sich in naive T-Zellen, T-Helferzellen und T-Killerzellen. Des Weiteren sprechen die Ärzte von regulatorischen T-Zellen und den T-Gedächtniszellen. Die übergeordnete Aufgabe dieser Lymphozyten besteht darin, Fremdstoffe direkt zu erkennen. Die zytotoxischen T-Zellen gehören zu den Killerzellen, die sich mit Antigenen verbinden. Anschließend setzen sie zytotoxische Proteine frei und lösen den kontrollierten Zelltod, die Apoptose, aus.

Die T-Helferzellen sorgen für das Erkennen der eindringenden Fremdkörper. Sie verfügen über keine zellschädigende Aktivität, leiten jedoch die Immunantwort ein. Die Messung der T-Helferzellen erfolgt beispielsweise bei HIV-Patienten, um die Krankheitsaktivität in Erfahrung zu bringen. Regulatorischen T-Zellen sorgen für die Selbsttoleranz des Immunsystems. In speziellen Situationen unterdrücken sie eine Immunantwort, sodass sie das Risiko von Allergien und Autoimmunerkrankungen senken.

Des Weiteren verhindern sie das Abstoßen eines transplantierten Organs oder des ungeborenen Kindes im Mutterleib. Die letzte Differenzierungsgruppe der T-Lymphozyten stellen die T-Gedächtniszellen dar. Sie zählen zum immunologischen Gedächtnis. Zu den Lymphozyten gehören weiterhin die NK-Zellen, die nicht über T- oder B-Zellrezeptor verfügen. Die ebenfalls als natürliche Killerzellen bezeichneten Zyten sorgen bei spezifischen Zielzellen für den kontrollierten Zelltod.

Die Monozyten als Teilgruppe der Leukozyten

Die Monozyten erweisen sich als größte Zellen im zirkulierenden Blut. Verlassen sie den Blutkreislauf, wandeln sie sich in Makrophagen um. Dabei handelt es sich um einkernige, bewegliche Fresszellen. Ihre Aufgaben bestehen in der Wundheilung und der Zerstörung von Tumorzellen. Ihre Bezeichnung wechselt abhängig von ihrem Wirkungsbereich. Leiden Sie an einer übermäßigen Vermehrung der Monozyten, sprechen die Mediziner von der Monozytose. Als Ursachen kommen Autoimmunerkrankungen, maligne Krankheiten und Infektionen infrage.

Patiententipps, um die Leukozyten im Blut zu erhöhen

Befinden sich in Ihrem Blut weniger als 4.000 Stück pro Mikroliter Blut, diagnostizieren die Ärzte eine Leukozytopenie. Neben Medikamenten helfen auch natürliche Maßnahmen dabei, die Konzentration der weißen Blutkörperchen im Organismus zu steigern. Beispielsweise achten Sie auf eine gesunde Ernährung mit frischem Obst und Gemüse. Vermeiden Sie zucker- und fetthaltige Lebensmittel und trinken Sie täglich zwei bis drei Liter Wasser oder ungesüßten Tee.

Speziell die Vitamine A und C unterstützen die Bildung von Leukozyten. Daher verspeisen Sie beispielsweise Mohrrüben ungekocht. Durch einen regen Stoffwechsel profitieren Sie ebenfalls von einem normalen Leukozytenwert. Daher führen Sie einen aktiven und gesunden Lebensstil.

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