Thalassämie Symptome, Diagnostik und Therapie

Blutarmut durch Thalassämie: Überblick über die verschiedenen Formen und die Therapie des Gen-Defekts

Der Körper benötigt Sauerstoff, den die roten Blutkörperchen (Erythrozyten) von der Lunge zu den einzelnen Zellen transportieren. Bei der genetisch bedingten Erkrankung Thalassämie funktioniert der Transport der O2-Moleküle durch das Blut nicht in dem erforderlichen Ausmaß. Der Defekt führt zu einer Veränderung des eisenhaltigen Eiweißes Hämoglobin (Hämatokristallin, Hämatoglobin). Letzteres benötigen die Erythrozyten, um den Sauerstoff zu binden.

Erklärgrafik

Blutarmut durch Thalassämie © abhijith3747 – Fotolia.com

 

Die Medizin unterscheidet verschiedene Varianten der Thalassämie. Hämoglobin setzt sich aus einer Kette mehrerer Komponenten zusammen. In Abhängigkeit vom betroffenen veränderten Baustein differenzieren Ärzte zwischen der Alpha- sowie der Beta-Thalassämie. Der geschilderte Gendefekt führt zu einer Blutarmut, die sich unter anderem in Form von Kopfschmerzen, Schwindel, Müdigkeit und einer blassen Gesichtsfarbe äußert. Nach der Diagnose beginnt in schwerwiegenden Fällen eine aus Blut-Übertragungen und Medikamenten bestehende Therapie.

 

Thalassaemia major erfordert Blut-Transfusionen oder Knochenmarks-Transplantation

Zusammengefasst lösen Mutationen auf den Globin-Ketten die genetisch bedingte Krankheit Thalassämie aus. In Europa tritt überwiegend die Beta-Thalassämie auf. Betrifft der Gendefekt beide vererbten Allele, liegt eine Thalassaemia major vor.

Die homozygote Form der erläuterten Krankheit stellt die gravierendere Variante dar. Die Hämoglobin-Konzentration im Blut fällt stark ab. Daher besteht der Bedarf an regelmäßigen Blut-Transfusionen. Ergänzend erhalten die Patienten Medikamente zur Eisen-Elimination. Eine komplette Heilung der Thalassaemia major setzt eine Knochenmarks-Transplantation (hämatopoetische Stammzell-Transplantation) voraus.

Thalassämie führt zu einer Funktions-Störung von Hämoglobin

Der in der eingeatmeten Luft enthaltene Sauerstoff bleibt nicht in der Lunge. Stattdessen gelangen die O2-Moleküle in die Erythrozyten. Anschließend transportieren die roten Blutkörperchen das Oxygen über die Blutbahnen zu den Zielorten. Um den Sauerstoff zu binden, unterstützt das Hämatokristallin den geschilderten Transport. Liegt eine Funktions-Störung bei dem gebildeten Hämatoglobin vor, beeinträchtigt diese den Oxygenium-Transport.

Die Krankheit Thalassämie verursacht eine derartige Funktions-Störung bei dem Hämoglobin. Hierbei handelt es sich um einen Gendefekt, der zu einer fehlerhaften Bildung von Hämatoglobin führt. Häufig entstehen die Veränderungen am Hämatokristallin aufgrund von Punkt-Mutationen.

Der eiweißhaltige Part von Hämoglobin trägt den Namen Globin. Er setzt sich aus insgesamt vier Ketten zusammen:

  • Alpha-Globin,
  • Beta-Globin,
  • Gamma-Globin,
  • Delta-Globin.

Eine Thalassämie geht auf eine reduzierte oder ausbleibende Bildung von funktionsfähigem Hämoglobin zurück. In Folge der Erkrankung mutieren Globin-Bestandteile; das entstehende veränderte Hämatokristallin verliert seine Funktions-Fähigkeit im Hinblick auf den Sauerstoff-Transport.

Unterschied zwischen Alpha- und Beta-Thalassämie

Die medizinische Diagnostik differenziert zwischen zwei verschiedenen Formen der erläuterten Krankheit: der Alpha- und der Beta-Thalassämie. Beide Varianten äußern sich in den ersten Lebensjahren. Die Betroffenen fallen durch Blässe im Gesicht auf. Dazu bewirkt die Blutarmut Kopfschmerzen, Schwindelgefühle und Müdigkeit. Die Patienten neigen dazu, schnell außer Atem zu kommen. Sie besitzen Probleme bei der Konzentrations-Fähigkeit.

Bei der Alpha-Thalassämie betrifft der Gen-Defekt (auf Chromosom 16) die gleichnamigen Alpha-Ketten des Globins. Infolgedessen liegt ein Überschuss an Beta- oder Gamma-Globinen vor. Umgekehrt bezieht sich die Beta-Thalassämie auf einen Fehler bei der Produktion von Beta-Globin. Dabei verursacht ein genetischer Defekt auf Chromosom 11 die Mutationen der Globine bei der Thalassämie.

 

Varianten der Beta-Thalassämie

Die Beta-Thalassämie gilt als häufigste Ausprägung der vorgestellten Erkrankung. Sie tritt überwiegend in Europa auf, während sich die Alpha-Thalassämie eher in Asien wiederfindet. Die Medizin unterscheidet bei der Beta-Variante zwei unterschiedliche Formen der Thalassämie:

  • Thalassaemia minor,
  • und Thalassaemia major.

Betrifft die Beta-Thalassämie die von beiden Elternteilen vererbten Gene, handelt es sich um eine Thalassaemia major. Diese bezeichnen Ärzte alternativ als homozygote Form beziehungsweise als Cooley-Anämie oder Mittelmeer-Anämie. Dabei bleibt die Produktion der Beta-Globinketten aus. Die entstehenden Erythrozyten befinden sich in einem äußerst instabilen und defekten Zustand. Letztendlich entsteht eine ineffektive Erythropoese (Fachbegriff für die Bildung der Erythrozyten).

In der heterozygoten Form Thalassaemia minor betrifft der Gendefekt nur eines der beiden Allele. Der Begriff bezieht sich auf eine vergleichsweise milde Variante der Thalassämie. Beim Patienten treten die Symptome in einer sehr schwachen Ausprägung auf oder bleiben komplett aus. Daher besteht in der Regel kein Bedarf an einer Therapie.

 

Informationen zur Thalassaemia major

Im Hinblick auf europäische Patienten und auf die Auswirkungen stellt folglich die Thalassaemia major die Erkrankung mit der größten Relevanz dar. Aus diesem Grund folgen im weiteren Verlauf detaillierte Informationen über die homozygote Form der Krankheit.

In der Regel findet eine autosomal rezessive Vererbung der Beta-Thalassämie statt. Der genetische Defekt zeigt sich bereits kurze Zeit nach der Geburt. Neben den angeführten Folgen von Blutarmut wie Schwindel, Kopfschmerzen oder Müdigkeit gehören zur Thalassaemia major weitere, schwerwiegende Symptome.

Im Alter von wenigen Monaten weisen die betroffenen Patienten eine deutlich vergrößerte Milz und Leber auf. Später kommt es zu Wachstums-Störungen, Fehlbildungen der Knochen und erheblichen Schäden an den Organen. Dazu neigen die Patienten zu einer Gelbverfärbung der Haut.

Als ein bedeutsames Symptom der Thalassaemia major im Hinblick auf die Diagnostik gilt die schwerwiegende Anämie. Die Blutarmut schlägt sich in einer zu niedrigen Konzentration von Hämoglobin im Blut nieder. Folglich liefert eine im Labor stattfindende Analyse des Hämatokristallin Aufschluss über die Erkrankung. Die äußerlich sichtbaren Symptome ähneln denen einer Eisenmangel-Anämie. Allerdings weist der Eisenspiegel bei Thalassämie-Patienten keine ungewöhnlichen Werte auf.

 

Therapie mit Blut-Transfusion oder Knochenmarks-Transplantation

Im Fall der homozygoten Form der Thalassämie existiert die Notwendigkeit einer lebenslangen Blut-Transfusion. Andernfalls endet die Krankheit bereits in jungen Jahren mit dem Tod. Die Transfusionen finden in einem Zeitraum von zwei bis sechs Wochen statt. Laut eines im Deutschen Ärzteblatt veröffentlichten Artikels gilt das wiederholte Abfallen der Hämoglobin-Konzentration unter 8 g/dl als Indikator für den Beginn der Therapie.

Im Zuge der symptomatischen Therapie der Thalassämie durch Transfusionen steigt der Eisenspiegel im Blut zu stark an. Deshalb ergänzen die Ärzte die Behandlung um die Gabe von Medikamenten, welche die Eisen-Ausscheidung anregen. Überschreitet die Serum-Ferritin-Konzentration wiederholt die Grenze von 1.000 ng/ml, beginnt die besagte Therapie zur Eisen-Elimination. Dennoch besteht die Gefahr, dass ein Überschuss an Eisen den Körper schädigt. Zugleich drohen bei den zur Eisen-Elimination verabreichten Medikamenten Nebenwirkungen.

Es gibt mit der Knochenmarks-Transplantation ausschließlich eine Option, um die schwerwiegende Form der Thalassämie zu heilen. Der erforderliche Eingriff gilt als hochriskant. Zudem setzt die Therapie die Verfügbarkeit eines passenden Spenders voraus.

 

Begleit-Erscheinungen: Vergrößerung des Knochenmarks und der Milz

Angesichts der ineffektiven Erythropoese versucht der Körper, den Mangel selbstständig zu kompensieren. Letzteres führt zu Überproduktion in Form einer stark gesteigerten Erythropoese im Knochenmark. Dabei weitet sich das Medulla ossium um ein Vielfaches der üblichen Größe aus.

Es kommt durch die Thalassämie zu einer sogenannten erythroiden Hyperplasie (krankhafte Ausdehnung des Knochenmarks). Infolgedessen vergrößern sich ebenfalls die Knochen. Letzteres führt zu einem brüchigen und somit deutlich geschwächten Skelett. Das resultiert unter anderem in einem erhöhten Risiko für Knochenbrüche.

Den Abbau der Erythrozyten verantwortet die Milz. Aufgrund der Überproduktion erhöht sich die Anzahl der abzubauenden Erythrozyten. Dadurch entsteht eine Überaktivität der Milz, wodurch sie sich vergrößert. Daraus ergibt sich die Gefahr eines übermäßigen Abbaus von weißen Blutkörperchen, was ein geschwächtes Immunsystem auslöst.

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