Leukozyten bei Blutarmut

14. Dezember 2015
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Weiße Blutkörperchen helfen bei der Diagnose von Anämie

Die Leukozyten sind bei Blutarmut ein aussagekräftiger Parameter, da sie für die Abwehr von Krankheits-Erregern zuständig sind. Ihre weiße Erscheinung erklärt sich mit dem Fehlen jeglichen Farbstoffes. Aus ihrer Anzahl leiten Ärzte diverse Krankheitsbilder her. Bei Anämie (Blutarmut) ist das Differenzial-Blutbild aussagekräftig. Darin bestimmt der Arzt unter anderem die verschiedenen Arten der Leukozyten, die sich in der Erreger-Abwehr ergänzen.

Leukos

Blutkörperchen unter dem Mikroskop © Phoenixpix – Fotolia.com

Was beinhaltet ein Differenzial-Blutbild?

Damit misst der Arzt die Anzahl der weißen und roten Blutkörperchen. Die Leukozyten sind in drei Gruppen unterteilt:

  • Granulozyten,
  • Monozyten,

Jede Art ist für eine andere Aufgabe in der Abwehr von Krankheits-Erregern zuständig. Die Lymphozyten produzieren Antikörper gegen Infektionserreger und veränderten körpereigenen Zellen. Sie erkennen jede einzelne und sind in der Lage, sie passend zu bekämpfen. Monozyten nehmen körperfremdes Material auf und machen es unschädlich. Sie phagozytieren unerwünschte Eindringlinge und sorgen normalerweise dafür, dass keine Krankheit ausbricht.

Mit dem Differenzial-Blutbild bestimmt die Fachperson den Wert der Leukozyten bei Blutarmut in Anzahl Zellen pro Liter. Es beinhaltet ebenfalls die Werte der drei Untergruppen. Dabei sind die Granulozyten ihrerseits nochmals in basophile, eosinophile und neutrophile unterteilt. Letztere sind aufgrund ihrer Form als segmentkernige und stabkernige Zellen differenziert. Jede Art hat ihre eigene Aufgabe und ihr Wert ist aussagekräftig.

 

Wissenswerte Fakten über Leukozyten

Leukozyten und Blutarmut stehen in einem engen Zusammenhang. Dabei ist es wichtig, die einzelnen Arten zu unterscheiden, um die Ursache der Anämie festzustellen. Die verschiedenen weißen Blutkörperchen stammen aus dem Knochenmark und haben eine gemeinsame Vorläufer-Zelle. Aus der pluripotenten Stammzelle entwickeln sich dank spezieller Wachstums-Faktoren unterschiedliche Leukozyten. Sie nehmen diverse Aufgaben in der Immunabwehr wahr.

Zu den wichtigen Parametern der Leukozyten bei Blutarmut gehören die körnerähnlichen Granulozyten. Eosinophile, basophile und neutrophile Zellen kümmern sich um verschiedene Erregerformen. Sie unterscheiden sich durch unterschiedliches Vorgehen in der Infekt-Abwehr. Ihre Lebensdauer beträgt sieben Stunden. Sie zirkulieren im Blut oder befinden sich vor ihrem Abbau an den Gefäß-Innenwänden. Sie bewegen sich von selbst fort. Deshalb verlassen einige von ihnen den Blutkreislauf und wandern häufig in Gewebe und Schleimhäute ein. Dort überleben sie bis zu fünf Tage.

Neutrophile Granulozyten ruhen vor allem in Milz und Lunge. In Stress-Situationen wie Adrenalin- oder Kortison-Wirkung ist ihre rasche Mobilisation möglich. Ihre Anzahl vermehrt sich extrem schnell bei Beginn einer Infektion, da sie Gewebetrümmer und Bakterien phagozytieren. Die Anzahl dieser Art Leukozyten ist bei der Blutarmut zu niedrig. Der Normalwert liegt bei 3.200 bis 6.200 / µl. Dies entspricht einem relativen Wert von 55 bis 75 Prozent.

 

Die Aufgabe der Monozyten und Lymphozyten

Monozyten verweilen nicht lange im Blut, sondern wandern schnell ins Gewebe ab. Dort transformieren sie sich in Fresszellen und gehen ihrer Aufgabe, Bakterien unschädlich zu machen, nach. Sie präsentieren die Fremdkörper den Lymphozyten, die danach ihre Abwehr-Mechanismen mobilisieren. Der ideale Wert beträgt 2 bis 10 Prozent der Gesamtmenge der weißen Blutkörperchen. Der absolute Wert liegt bei 200 bis 800 / µl. Bei einer aplastischen Anämie ist im Blutbild eine Monozytopenie, eine Verminderung der Monozyten-Anzahl, sichtbar.

Eine Knochenmarks-Funktionsstörung verursacht diese Art der Blutarmut. Die Leukozyten-Produktion geschieht vermindert. Der Patient leidet ebenfalls an einem Thrombozyten- und Erythrozyten-Mangel. Das Krankheitsbild tritt selten auf und existiert angeboren und erworben. In den meisten Fällen ist keine Ursache der Krankheit erkennbar.

Lymphozyten als Auslöser der aplastischen Anämie

Im Blut sind zwei Arten von Lymphozyten vorhanden: Im Thymus reifen die T-Lymphozyten heran. Sie erkennen fremde Körper direkt. Die B-Lymphozyten produzieren Antikörper. Diese setzen sie gezielt gegen passende Antigene ein. Sie stammen aus dem MALT oder aus den Lymphknoten. Die Aktivität der Lymphozyten richtet sich unter anderem gegen körpereigene Zellen wie die eines Tumors.

Bei einer aplastischen Anämie greifen sie fälschlicherweise die Vorläufer-Zellen der roten Blutkörperchen, der Granulozyten und der Blutplättchen an. Sie attackieren die Blutstammzellen, aus denen diese im Blut immens wichtigen Zellen entstehen. Anstatt als Polizei Fremdkörper anzugreifen, reagieren diese Art Leukozyten bei Blutarmut manchmal auf ein falsches Signal. Normalerweise haben sie das Amt der Polizei inne und greifen dank eines ausgeklügelten Selbsterkennungs-Systems nur körperfremde Zellen an.

Im Falle der aplastischen Anämie kommen sie dieser Funktion nicht mehr nach. Die Auslöser der falschen Signale sind unklar. Dr. med. Monika Führer, Ärztin im Klinikum der Universität München, bringt die Vermutung zur Sprache, dass in seltenen Fällen Oberflächen-Strukturen von körpereigenen Zellen und Viren sich ähneln. Sie stützt sich damit auf ihr bekannte Forschungs-Ergebnisse. Ebenfalls wahrscheinlich ist eine Oberflächen-Mutation durch Veränderungen im Erbmaterial oder Exposition gegenüber Chemikalien. Die Lymphozyten erkennen dadurch die Zelle nicht mehr und zerstören sie.

 

Diagnose und Differenzierung von Anämie anhand diverser Parameter

Der Wert der Leukozyten spielt bei Blutarmut eine entscheidende Rolle. Durch seine isolierte Bewertung ist es unmöglich, einen Befund zu stellen. Sie sind nur ein Teil eines umfänglichen Diagnose-Schemas. Anämie hat verschiedene Ursachen. Deshalb ist die gründliche Analyse des Differenzial-Blutbildes von großer Bedeutung.

Neben den Leukozyten sind auch die Erythrozyten-Indizes Bestandteil davon. Das sind die Werte der roten Blutkörperchen. Folgende Größen sind Teil davon:

  • Hämoglobin,
  • Hämatokrit,
  • Erythrozyten-Anzahl.

Diese Angaben geben wichtige Informationen im Bezug auf Blutarmut weiter.

Daneben finden auch folgende Werte Eingang in die Diagnose:

  • Eisen-Stoffwechsel (Ferritin, Eisen und Transferrin),
  • Folsäure,
  • Vitamin B12,
  • Retikulozyten-Anzahl.

Der Anteil von unreifen Erythrozyten (Retikulozyten) an der Gesamtheit der roten Blutzellen zeigt an, ob es sich um eine hyperregenerative oder eine hyporegenerative Anämie handelt.

Beim Ersteren handelt es sich um Blutarmut mit vermehrter Zellneubildung. Dabei liegt die Retikulozyten-Anzahl über 70.000 pro Mikroliter Blut. Letzteres ist die Anämie mit verminderter Zellneubildung. Die Anzahl der unreifen roten Blutkörperchen beträgt dabei weniger als 30.000 je Mikroliter Blut. Die Kombination verschiedener Zahlen aus dem Differenzial-Blutbild und den anderen gemessenen Werten gibt Aufschluss darauf, um welche Anämie es sich handelt.

Die korrekte Interpretation der Leukozyten-Werte

Der Wert der Leukozyten bei Blutarmut ist unterschiedlich zu deuten. Bei niedrigem Eisenwert liegt eine Infekt-Anämie oder eine Tumor-Anämie im Bereich des Wahrscheinlichen. In diesem Fall sind die Leukozyten aussagekräftig. Ein weiterer wichtiger Parameter zur Klassifizierung der vorliegenden Anämie ist das mittlere korpuskuläre Volumen (MCV). Dies bezeichnet das durchschnittliche Volumen der Erythrozyten.

Der Hämatokrit geteilt durch Erythrozytenzahl ergibt das MCV, dessen normaler Wert zwischen 83 bis 97 Femtoliter (1 fl = ein billiardstel Liter) liegt. Die Anämie ist anhand dieses Wertes in drei Klassen gegliedert:

  • niedriges MCV: mikrozytäre Anämie,
  • normales MCV: normozytäre Anämie,
  • hohes MCV: makrozytäre Anämie.

Bei einer normozytären Blutarmut sind die Leukozyten zu berücksichtigen. Falls diese sich ebenfalls im Normalbereich befinden, sind meistens die Eisen-Parameter ausschlaggebend.

 

Das Differenzial-Blutbild ist die Basis der Anämie-Diagnose

Bei einer vermuteten Blutarmut sind die Leukozyten eines der ausschlaggebenden Parameter. Sie zeigen an, ob eine Knochenmarks-Störung oder eine Infektion vorliegt. Die weißen Blutkörperchen sind in diverse Untergruppen eingeteilt, von denen jede eine eigene Bedeutung in der Diagnose der Anämie hat. Die Leukozyten sind bei Blutarmut nie isoliert zu betrachten. Nur in Zusammenhang mit Eisen und/oder den Erythrozyten ergeben sie ein klares Bild. Eine Fachperson erkennt, um welche Art der Anämie es sich handelt und leitet daraus den korrekten Therapie-Ansatz ab.

weiterführend:

http://flexikon.doccheck.com/de/Differentialblutbild

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