Neutrophile Granulozyten

Als neutrophile Granulozyten bezeichnen Mediziner die größte Untergruppe der weißen Blutkörperchen, die sogenannten Leukozyten. Sie gehören als Phagozyten oder „Fresszellen“ zur angeborenen Immunabwehr des menschlichen Körpers. Sie identifizieren und zerstören schädliche Mikroorganismen im Körper.

  Blutbahn mit Erythrozyten, Thrombozyten und Leukozyten

Neutrophile Granulozyten –
die größte Gruppe in der weißen Abwehrtruppe

Sichtbar werden neutrophile Granulozyten im Differenzialblutbild als stabkernige oder segmentkernige Neutrophile.

Entstehung und Morphologie der neutrophilen Granulozyten

An einem Tag produziert ein Erwachsener über 1011 Neutrophile. Ihre Bildung erfolgt im Knochenmark, wo sie aus oligopotenten myeloischen Stammzellen (CMP) entstehen.

Die oligopotenten Stammzellen, die das Potenzial zur Entstehung unterschiedlicher Zellen in sich tragen, entwickeln sich zu uni- oder bipotenten Stammzellen, die sich zu Zellkolonien zusammenfinden.

Junge Neutrophile zeichnen sich durch einen stabförmigen Kern aus. Sie sind sowohl im Blut als auch im Knochenmark vorhanden, woher sie stammen. Ausgereifte Neutrophile nennt der Mediziner aufgrund ihrer drei bis fünf Kernsegmente segmentkernige Neutrophile.

Die neutrophilen Granulozyten verlassen nach sechs bis acht Stunden die Blutbahn wieder, wenn sie nicht in Kontakt mit Infektionen oder Entzündungsreaktionen gelangen. Im Normalfall leben sie ein bis vier Tage. Neutrophile Granulozyten haben die Form einer Kugel mit einem zwölf bis 15 Mikrometer großen Durchmesser. Als „neutrophil“ bezeichnet der Mediziner sie, da die kornförmigen Einlagerungen dieser Granulozyten sich nicht mit basischen oder sauren Farbstoffen färben lassen. Färbungen kommen bei den sogenannten Basophilen und Eosinophilen zustande.

Zweck und Normalwert der neutrophilen Granulozyten

Neutrophile Granulozyten zirkulieren im Blut und wandern zum Infektionsherd, wenn einer vorliegt. Am Ort des Geschehens nehmen sie durch Phagozytose die infektionsauslösenden Mikroben in sich auf und zerstören sie durch Verdauung der Zellstruktur. Lockstoffe, sogenannte Chemokine, bewirken, dass die neutrophilen Granulozyten den Blutstrom verlassen, um zum infizierten Gewebe zu gelangen.

Der Normalwert beträgt für stabkernige Neutrophile drei Prozent der Leukozyten, für segmentkernige Neutrophile 45 bis 70 Prozent.

Wann sind die Werte für neutrophile Granulozyten erhöht?

Befinden sich zu viele neutrophile Granulozyten im Blut, spricht der Mediziner von einer Neutrophilie. Auslöser für diesen Sachverhalt sind möglicherweise:

  1.         erhöhter Glukokortikoid-Spiegel, der der exogenen Verabreichung des Steroids oder als Symptom aus dem Cushing-Syndrom herrührt,
  2.         eine akute Entzündung, Sepsis oder Nekrose,
  3.         der chirurgische Eingriff, um einen Entzündungsherd zu entfernen, oder eine Wunddrainage,
  4.         chronisch-eitrige Entzündungen wie Pyometra, Pyodermie und Abszesse,
  5.         Blutungen und als Folge die Anämie, die sogenannte Blutarmut,
  6.         chronische granulozytäre Leukämie, bei der im Blut vor allem unreife Neutrophile zu finden sind.

Emotionaler Stress und körperliche Belastung sind ebenfalls Ursachen für Neutrophilie, da die Ausschüttung von Adrenalin die Reifung von Neutrophilen veranlasst. In der Schwangerschaft tritt Neutrophilie unter Umständen auch auf.

Wann sind die Werte für neutrophile Granulozyten erniedrigt?

Eine Verminderung der Werte für neutrophile Granulozyten nennt der Mediziner Neutropenie. Ein gesunder Mensch hat 1.800 bis 8.000 Neutrophile pro Mikroliter. Sinkt der Wert auf bis 1.000 pro Mikroliter, ist von einer leichten Form der Neutropenie die Rede. 500 bis 1.000 pro Mikroliter sind eine moderate Form der Neutropenie und unter 500 pro Mikroliter eine schwere. Ursachen für die Neutropenie liegen in:

  •         der Schädigung des Knochenmarks durch Medikamente, Chemikalien oder Pflanzen sowie Infektionen oder Immunerkrankungen,
  •         dem erhöhten Verbrauch aufgrund einer akuten schweren Erkrankung wie einer Sepsis oder Bauchfellentzündung,
  •         der gestörten Bildung neutrophiler Granulozyten durch myeloische Leukämie oder virale Infekte wie AIDS,
  •         dem angeborenen Kostmann-Syndrom.

Die Laborwerte sind durch den behandelnden Arzt in Verbindung mit anderen Symptomen und Vorerkrankungen sowie anderen Blutwerten zu interpretieren.

 veröffentlicht von: Anna Nilsson,

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