Leukozyten-Szintigrafie als Entzündungs-Diagnose-Verfahren

Leukozyten-Szintigrafie: Informationen zum bildgebenden Diagnose-Verfahren der Nuklear-Medizin

Die Leukozyten-Szintigrafie zählt zur nuklear-medizinischen Diagnostik von Entzündungen und dient zur Lokalisation von Entzündungs-Herden. Hierbei kommen Radiopharmaka zum Einsatz, anschließend weist eine Gamma-Kamera die radioaktiv markierten Leukozyten nach. Es existieren unterschiedliche Szenarien, die einen Einsatz des vorgestellten diagnostischen Verfahrens erfordern.

MRT

MRT © zlikovec – Fotolia.com

 

Dazu gehört insbesondere der Verdacht auf eine Entzündung, ohne deren exakte Ausbreitung zu kennen. Ferner zählt die Szintigrafie der Leukozyten zu den Diagnose-Methoden bei akuter und chronischer Osteomyelitis. Im weiteren Verlauf folgen detaillierte Informationen über das Verfahren und Erläuterungen zum Ablauf.

 

Zusammenfassung des Ablaufs einer Szintigrafie

Zusammengefasst verwenden Ärzte die Leukozyten-Szintigrafie, um Entzündungs-Herde im Körper zu lokalisieren. Das Diagnose-Verfahren gehört zur Nuklear-Medizin und basiert auf einer Blutprobe des Patienten. Hierbei findet eine radioaktive Markierung der im Blut enthaltenen Granulozyten ab. Es schließt sich eine Re-Injektion des markierten Blutes an, welches sich daraufhin im Körper ausbreitet. Die Leukozyten wandern infolgedessen zur Stelle, an der sich die Entzündung befindet. Sie sondern eine geringe radioaktive Strahlung ab. Eine Gamma-Kamera erstellt anhand der gemessenen Strahlen ein Bild, welches letztendlich die gewünschte Lokalisierung der Entzündung ermöglicht.

 

Granulozyten und ihre Rolle bei Entzündungen

Leukozyten übernehmen im Rahmen des Immunsystems wichtige Funktionen bei der Abwehr von Erregern. Die Medizin differenziert bei den weißen Blutkörperchen zwischen Granulozyten, Lymphozyten sowie Monozyten. Der Großteil der Leukozyten entfällt dabei auf die Granulozyten, deren Anteil sich zwischen 50 und 65 Prozent bewegt. Im Rahmen ihrer Immun-Tätigkeit übernehmen die Granulozyten beispielsweise die Phagozytose von Erregern. Dabei stoßen die Leukozyten Entzündungs-Mediatoren aus, die weitere Granulozyten anlocken. Infolgedessen konzentrieren sich die Leukozyten an Entzündungs-Herden.

 

Einsatz-Szenarien des bildgebenden Verfahrens der Nuklear-Medizin

Die erhöhte Konzentration der Granulozyten bei Entzündungen nutzt die Leukozyten-Szintigrafie. Ein radioaktives Material markiert die weißen Blutkörperchen, welche der Arzt anschließend mit einer Gamma-Kamera lokalisiert. Das vorgestellte diagnostische Verfahren kommt in unterschiedlichen Situationen zum Einsatz. Grundsätzlich verwenden Mediziner die Methode, wenn sie eine Entzündung vermuten, aber deren Ort sowie ihre Ausbreitung nicht kennen.

Hierzu zählen beispielsweise:

  • Akute oder chronische Osteomyelitis (Entzündungen des Knochenmarks),
  • Ostitis (Knochen-Entzündung),
  • Infektionen in Gefäßprothesen,
  • Verdacht einer Infektion in einer Gelenk-Prothese,
  • Fieber mit unbekannter Genese,
  • Früh-Diagnose einer Lungen-Entzündung.

 

Detaillierte Informationen zum Ablauf der Leukozyten-Szintigrafie

Die Leukozyten-Szintigrafie basiert auf einem schwach radioaktiven Medikament. Es handelt sich um einen monoklonalen Antikörper, der sich gegen die Granulozyten richtet. Das Verfahren unterteilt sich in mehrere Schritte. Zunächst entnimmt der Arzt dem Patienten eine Blutprobe. Daraufhin folgt eine Isolation der Leukozyten aus dem Venenblut.

Um ausreichend weiße Blutkörperchen zu isolieren, benötigt das vorgestellte Verfahren bei erwachsenen Personen zwischen 20 und 40 Milliliter Blut. Sofern das Blut des Patienten verhältnismäßig wenig Leukozyten enthält, erhöht sich die zu entnehmende Menge. Findet die Methode bei Kindern Anwendung, reicht weniger Venenblut aus. Das Minimum liegt bei zehn Millilitern.

 

Markierung der Leukozyten in der Blutprobe

Anschließend findet eine In-vitro-Markierung der Leukozyten durch einen sogenannten Tracer (radioaktive Substanz) statt. Die Leukozyten-Präparation besteht dabei im Verhältnis von 80:20 aus Granulozyten und Lymphozyten. Aufgrund der strahlensensiblen Eigenschaften der Lymphozyten geht deren Aktivität nach der Zugabe des Tracers verloren. In dessen Folge bleiben einzig die markierten Granulozyten übrig.

Die Isolation und die anschließende Markierung der Zellen finden unter Raumtemperatur in einer laminaren Strömungs-Kammer statt. Steriles Entnahme-Material und Schutz-Handschuhe während des gesamten Vorgangs gelten als Grund-Voraussetzung. Ferner gilt es als äußerst wichtig, auf eine exakte Beschriftung der Proben zu achten. Das trifft insbesondere für Labors zu, die gleichzeitig mit mehreren Patienten-Proben arbeiten.

 

Re-Injektion der markierten Granulozyten

Im folgenden Schritt führt der Arzt eine Re-Injektion der durch das radioaktive Material markierten Leukozyten durch. Der Vorgang findet in der Regel innerhalb von ein bis zwei Stunden nach der Blutentnahme statt. Daraufhin schließt sich eine Wartezeit an. Währenddessen gelangen die Granulozyten zum Ort der Entzündung. Die einzuhaltende Wartezeit hängt vom verwendeten Pharmakon ab. Da die radioaktive Strahlung eine sehr geringe Intensität aufweist, besteht kein Bedarf an speziellen Maßnahmen zum Strahlenschutz. Dadurch stellt der Kontakt zu anderen Personen während der Wartezeit kein Problem dar.

 

Aufnahmen mit der Gamma-Kamera

Zum Abschluss verwenden die Mediziner Gamma-Kameras, welche die radioaktiven Leukozyten bildlich erfassen. Sie erstellen szintigrafische Aufnahmen, bei denen der Arzt die Lokalisation der Entzündungs-Herde erkennt. Gamma-Kameras gelten als die am häufigsten verwendeten Geräte der Nuklear-Medizin. Sie basieren auf der Gamma-Strahlung, die vom Patienten ausgeht.

Sie entsteht, da die Radio-Pharmaka im Körper zerfallen. Ein Detektor absorbiert die Strahlen, die das Gerät in eine Licht-Emission transformiert. Sogenannte Foto-Multiplier wandeln das Licht in elektrische Signale um. Ein Monitor stellt die gemessenen Impulse dar, wodurch das für die Diagnose verwendete Bild entsteht.

 

Unterschiedliche Tracer zur Auswahl

Es existieren mehrere Tracer, die bei der Szintigrafie der Leukozyten zum Einsatz kommen. Die Auswahl des radioaktiven Pharmakons hängt von der Indikation ab. Im Falle von chronischen Entzündungen bieten sich Mittel an, die eine lange Halbwertzeit aufweisen. Diesbezüglich gilt In-111-oxin als bevorzugte Wahl. Dagegen stellen bei akuten Herden die Tracer mit einer kurzen Halbwertzeit die bessere Alternative dar, weil eine schnelle Wanderung der Granulozyten naheliegt. Mediziner präferieren hierbei TC-99m-HMPAO.

Abhängig vom verwendeten Tracer erstellt der behandelnde Mediziner mit der Gamma-Kamera Aufnahmen zu verschiedenen Zeitpunkten. In der Regel finden diese innerhalb der ersten drei bis vier Stunden statt. Zusätzlich führt der Arzt bei Bedarf eine Spät-Aufnahme nach 24 Stunden durch. Währenddessen fertigt er Ganzkörper-Bilder und Einzelaufnahmen an. Die Untersuchung setzt keinen nüchternen Zustand voraus.

Im Zuge der Szintigrafie der Leukozyten drohen unterschiedliche Komplikationen. Die Applikation der markierten Leukozyten in die Armvene führt möglicherweise zu lokalen Verletzungen der Gefäße und Nerven. Zusätzlich besteht obgleich der geringen Strahlenbelastung ein theoretisches Rest-Risiko eines durch die Strahlung verursachten Spät-Malignoms in Form eines Karzinoms oder Leukämie.

 

Absolute und relative Kontra-Indikationen

Kontra-Indikationen bezeichnen Situationen, die das diagnostische Verfahren komplett ausschließen oder spezielle Maßnahmen erfordern. Diesbezüglich differenziert die Medizin zwischen absoluten und relativen Gegenanzeigen. Eine absolute Kontra-Indikation – und damit ein komplettes Verbot für die Szintigrafie – liegt während der Schwangerschaft vor.

Relative Kontra-Indikationen lehnen die entsprechende Maßnahme eigentlich ab, akzeptieren sie aber dennoch, da sie mehr nutzt, als schadet. Im Fall des vorgestellten Diagnose-Verfahrens existieren relative Kontra-Indikationen während der Still-Phase und im Rahmen einer Wiederholungs-Untersuchung.

Stillt eine Mutter ihr Kind, erfordert die Szintigrafie eine Unterbrechung der Versorgung mit Muttermilch für 48 Stunden. Das dient zum Schutze des Kindes, um eine Gefährdung auszuschließen. Nach einer durchgeführten Szintigrafie der Leukozyten empfiehlt sich eine Pause von mindestens drei Monaten, ehe eine wiederholte Untersuchung derselben Art stattfindet. Der Grund besteht in der Belastung durch die radioaktive Strahlung.

 

 

weiterführend:

https://www.aerzteblatt.de/pdf/89/28/a2462.pdf

http://www.nuklearmedizin-berlin.de/leukozyten.html

http://www.nuklearmedizin.de/leistungen/leitlinien/html/t_leuko_szin.php?navId=5

http://www.uniklinikum-saarland.de/einrichtungen/kliniken_institute/radiologie/nuklearmedizin/patienteninformationen/untersuchungen/leukozytenszintigraphie/

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